Stammgäste und neue Gäste – manchmal eine große Herausforderung für uns Hoteliers!

Leider kommt es immer wieder vor, dass es uns einfach nicht gelingen will, neue Gäste so zu begeistern mit unserem Produkt, vor allem aber unserer Herzlichkeit und Wärme, dass sie ihren Urlaub so richtig genießen können und dann leider auch nicht zu Stammgästen werden.
Woran kann das liegen – haben wir uns immer wieder gefragt. Vor ein paar Wochen konnte ich das wieder einmal beobachten und habe so eine These dazu aufgestellt. Ob sie stimmen mag ist an Ihnen zu entscheiden.
Stammgäste sind liebe Freunde, die alljährlich zu uns zurückkehren um hier ein Stückchen Heimat, Ruhe, Gastfreundschaft und Bekanntes zu erleben.
Ganz spannend war in diesem Winter ein Gespräch mit so sehr lieben Freunden und Stammgästen die mir erklärten, sie kämen hier so gerne her, da die Zeit still zu stehen scheint. Natürlich verbessern wir unser Angebot ständig und versuchen immer etwas Neues zu bieten. Diesmal erfuhr ich, dass dies gar nicht so gewünscht wäre. Die Diskussion begann um unser traditionelles Weihnachtsfest. Wir waren ein paar Tage vor dem großen Fest am überlegen, ob wir nicht doch einmal etwas anders machen sollten, war denn die Lesung des Evangeliums zum Tage noch zeitgemäß etc. Unsere Gäste bestätigten dann, dass sie es genauso wollten und nicht anders. Die Erklärung war völlig logisch:
Wir alle leben in einer sich so rasant verändernden Zeit, dass wir Mühe haben immer mit zu kommen und am Ball zu bleiben. Im Urlaub will man dann einfach mal Ruhe von dieser Hektik. Wir wollen einen Ort der uns vertraut ist und an dem wir uns von Stunde 1 an zu Hause fühlen. Hier fühlen wir uns sicher, hier werden unsere Ideale gelebt und hier können wir richtig ausspannen, uns „hängen“ lassen, wir selbst sein. Spannend war auch die Beantwortung unser Frage auf: Aber Ihr kommt doch immer und wollt wissen, was es alles Neues gibt. Für uns bedeutete dies immer, dass wir ständig dran bleiben müssten uns neu zu erfinden. Mit nichten. Dies ist die erste Frage, damit man sich auf das Neue einstellen kann, es aufnehmen kann um dann wiederum – sich zu Hause zu fühlen. Welch Missverständnis doch!
Wie kommt diese Erkenntnis nun zusammen mit neuen Gästen, die sich nicht so recht einfinden können: Ganz einfach. Natürlich stellen auch wir uns auf unsere Gäste, Ihre Wünsche und Vorlieben ein. Gäste die sich alle Jahre wieder um dieselbe Zeit bei uns treffen sind mittlerweile auch untereinander liebe Freunde geworden. Es kann schon sein, dass dies für neue Gäste ein gewisses Schild bietet, durch das sie scheinbar nicht in die Familie eintreten können – oder auch wollen. Zum Glück gelingt es uns in den meisten Fällen, die neuen Familienmitglieder einzubinden in das große Treffen. Manchmal aber – vor allem wenn Menschen das für sich nicht wollen, in eine Familie einzutreten, fühlen sie sich nicht wohl und wir können nichts tun. Es kommt sogar vor, dass sich eine derartige Dynamic entwickelt, dass dann genau bei diesen Gästen wirklich alles schief geht, von: die Skier sind in der Früh nicht auffindbar, bis wir stehen unter der Dusche und das Wasser wird abgedreht. Unglaublich – selbst für uns nicht nach zu vollziehen.
Die Quintessenz daraus ist wohl: Jede Familie findet die Familienmitglieder die dazu passen – ob wir das wahr haben wollen oder nicht – wir passen schon alle immer ganz perfekt zusammen. In den Dingen die wir gut können, wie in denen die wir nicht wollen. In unserer Meinung und Weltanschauung. Kann natürlich sein, dass ein Familienmitglied die völlig gegengesetzte Weltanschauung hat wie der Rest der Familie – das heißt aber nicht dass er anders ist und nicht in die Familie passt – er hat seine Aufmerksamkeit nur auf der anderen – der Schatten– oder Sonnenseite der Meinung der anderen. Und so ist es wohl auch in so einem kleinen Familienhotel. Wir finden genau die Gäste die zu uns passen und die Gäste die genau uns suchen finden uns auch und bleiben dann gerne, solange unser Angebot in ihren Interessensbereich fällt. Wir finden das wunderschön und unsere „Familie“ vergrößert sich ständig – was auch wunderbar ist. Manchmal aber sind wohl die Energien zu unterschiedlich und wollen nicht zusammen kommen. Ich denke aber darin liegt auch kein Fehler auf keiner Seite. Das sind einfach Naturgesetze, denen wir alle unterworfen sind. Eines ist jedenfalls klar: wir freuen uns über absolut jedes neue Familienmitglied – um nicht ganz so persönlich zu werden – über jeden neuen Gast, der unser Haus betritt und sich von uns verwöhnen lassen will! Auch wenn es manchmal nicht so recht passen will – sehr oft werden daraus die schönsten und längsten Freundschaften!

Daniela Pfefferkorn

Über Daniela Pfefferkorn

Daniela Pfefferkorn ist Inhaberin des Hotels Goldener Berg in Oberlech am Arlberg. Sie berichtet im Blog aus dem Leben eines Hotelinhabers vom Arlberg und gibt Ihnen Tipps & Tricks zu Ihrem perfekten Urlaubsaufenthalt in Oberlech.

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